Aktuelles

Wir berichten über zwei Arbeitseinsätze, die im Dezember 2017 und Januar 2018 in Dow-Bodié durchgeführt wurden.

Alle Mitreisenden trugen die anfallenden Reisekosten selbst.

Die erste Gruppe startete am 02. Dezember.
Dank weitgehend intakter Straßenbeläge - wenn dann keine sonstigen Pannen passieren - kann man wieder bei Tageslicht in Dow-Bodié ankommen. So geschehen mit dem ersten Teilgrüppchen im Dezember. Djiwo Diallo Keita begleitete Markus Ritter (Techniker) sowie Claudia Müller (Allgemeinärztin) und den guineischen Zahnarzt Pathé Sow aus Conakry ins Dorf. Die Ankunft der Lehrerin Renate Ettrich und der Augenärztin Ulrike Lange verzögerte sich um fast zwei Tage, weil das Bodenpersonal im Flughafen Frankfurt streikte und schließlich auch das gemietete Auto in Guinea, dessen Elektronik mit tropischem Staub und Hitze überfordert war.
Der Inhalt des Containers, der kurz zuvor das Dorf erreichte, wurde von der ersten Gruppe mit zahlreichen freiwilligen Helfern gesichtet, registriert und auf die verschiedenen Plätze des Gebäudekomplexes verteilt.
Die Installation der ergänzenden 30 Photovoltaikmodule wurde vorbereitet und der Arbeitsplatz des Zahnarztes aufgebaut. Bei der gemeinsamen Begrüßungsrunde am nächsten Morgen kamen wir in saubere Klassenräume mit zufriedenen Lehrern und für dortige Verhältnisse eher kleinen Klassen von bis zu 50 SchülerInnen.
Die Bänke waren repariert und nicht überfüllt und die neuen Tafeln in regem Gebrauch.
Die Solidarität und das Engagement der Lehrer haben sich weiter vertieft und so war es für Renate Ettrich und das Lehrerkollegium eine gute Zeit mit Fortbildung, Anschauungsunterricht und Sortieren des Materials für das nächste Schuljahr. Renate Ettrich übte mit den Lehrern insbesondere die richtige Methode des Lesenlernens.
Die Essensausgabe in der Schulkantine noch zu optimieren, besonders hinsichtlich hygienischer Standards, ist ein besonderes Anliegen für die Zukunft.
Es gab einen Elternabend, bei dem die Wertschätzung der Schule samt ihrer Einrichtungsgegenstände  nochmals bewusst gemacht wurde. Eine Sensibilisierung erfolgte für Themen wie z. B. Hygiene. Es wurde vor allem das Problem der Müllentsorgung und die Übertragung von Wurmeiern über den aufgewirbelten Staub im Schulhof  angesprochen. Dort liefen leider wieder einige Schafe und Rinder herum.
Wir besuchten auch die Nähschule, in der eine junge Schneiderin jeden Tag ca. 10 Schülerinnen unterrichtet.
In Bodié trafen wir den engagiert arbeitenden Bibliothekar. Die Bibliothek wird nach wie vor von allen Altersgruppen intensiv genutzt. Der Bibliothekar betreut zusätzlich eine Kindergartengruppe, die ebenfalls gerne besucht wird.
Markus Ritter ergänzte bei glühender Hitze auf dem Wellblechdach der Produktionshalle mit ein paar unermüdlichen Helfern die bestehende Photovoltaikanlage um 30 neue Module. Damit ist das Projekt nur in Ausnahmefällen abhängig vom Generator und vom teuren Diesel. Der Techniker von Solar 23 bescheinigte eine perfekte Installation und gab noch einige gute Hinweise. Markus Ritter baute in der Bibliothek neue Bücherregale auf, die in der Berufsschule Kitzingen gefertigt worden waren.
Vor dem Gesundheitszentrum drängten sich jeden Morgen hunderte Menschen. Dank der straffen Regie von Djiwo Diallo Keita konnten die Kranken nach der Schwere der Symptome aufgenommen werden. Nach einer täglichen morgendlichen Fortbildungsstunde wurden bei dem Zahnarzt, der Augenärztin und der Allgemeinärztin täglich jeweils ca. 60-80 Patienten gesehen, beraten und behandelt. Dr. Yango Keita übersetzte, wo immer nötig, und übernahm besonders schwierige Beratungen mit viel Einfühlungsvermögen. Viele Patienten wurden für die zweite Gruppe zu einer notwendigen Operation registriert.
Die Räume wurden täglich vom einheimischen Personal sauber gewischt. Die Händedesinfektion sowie das Tragen der Handschuhe sind zur Routine geworden.
Die Atmosphäre war sehr herzlich. So war das Erleben der oft harten Schicksale der Patienten erträglicher.
Die Krankenschwester Madame Sow, die Hebamme Madame Barry, der Mitarbeiter Monsieur Diallo und der Laborant Monsieur Doré bilden - auch während unserer Abwesenheit - ein sehr gut eingespieltes Team. Ein junger guineischer Arzt hatte sich um eine Stelle im Gesundheitszentrum beworben und war das erste Mal dabei.
Es gab viele Besucher an den Abenden: Lehrer, die Ältesten des Dorfes sowie eine Delegation der Frauenkooperative. Unser Aufenthalt wurde mit einem fröhlichen Tanzfest beschlossen.
Die Rückreise war wiederum ein autotechnisches Abendteuer. Aber alle kamen gesund in Conakry an.
Bei einem Besuch am nächsten Tag im landeskundlichen Museum trafen wir einen Künstler und Weber, der eventuell die traditionelle Webkunst in unserer Nähschule weitervermitteln kann.
Ohne Probleme konnten wir schließlich den Rückflug am 16. Dezember erreichen und mit vielen Eindrücken im Gepäck ins vorweihnachtliche Deutschland zurückkehren.

Am 11.01.18 startete die zweite Gruppe nach Guinea. Aus allen Himmelsrichtungen trafen wir uns in Paris zum Weiterflug nach Conakry. Alles lief reibungslos: keine Streiks, keine Verspätungen.
Wir waren 11 Teilnehmer, darunter vier neue Mitglieder, die das erste Mal in unser Projekt mitreisten:
Dr. Hans-Peter Geiselhart (Chirurg und Orthopäde), Dr. Kai Kistner (Chirurg), Corinna Kistner (OP-Schwester) und Simon Blum (Elektriker). Robert Clauß (beratender Ingenieur u. Installateur), Sebastian Lange (Chirurg), Cornelia Kurz (Gynäkologin), Sebastian Kernstock (Krankenpfleger), Stefan Leinen (Anästhesist), Mirja Teschner (Anästhesistin) und Monika Böske (Kinderärztin) waren schon bei früheren Einsätzen dabei.
Nach einer tropischen Nacht in Conakry ging es Richtung Dow-Bodié. Leider machte wieder eines der gemieteten Fahrzeuge schlapp, sodass wir von vier auf drei Autos zusammenrücken mussten - relativ nahe an afrikanischen Gepflogenheiten. Nach einer fröhlichen Begrüßungsrunde im Dorf gab es ein köstliches Abendessen. Die erste Gruppe hatte bereits das gesamte Equipment sortiert und eingeräumt, Patienten für die OPs gesehen und einbestellt, sodass ein halber Tag der Vorbereitung genügte, um gleich zu starten. Vorher allerdings war ein Gang durchs Projekt unerlässlich, insbesondere der Besuch der Schule. In einer Klasse erwartete uns ein Begrüßungsständchen.
Am Folgetag begann dann die Arbeit im OP und in der Ambulanz. Wir wurden tatkräftig unterstützt vom gesamten Team vor Ort. Dr. Keita und seine Frau Djiwo waren uns umsichtige Berater, Organisatoren, Übersetzer und Gastgeber.
Wir hatten auch diesmal alle Hände voll zu tun. Es waren oft 12 Stunden Arbeit am Tag, aber die Gruppenatmosphäre war geprägt von  einem freundschaftlichen, sich gegenseitig unterstützenden Miteinander. Es wurden über 30 Patienten operiert mit teilweise sehr beeindruckenden und außergewöhnlichen Befunden. Auch in der Ambulanz gab es neben den ortsüblichen Beschwerden und einigen Malariaerkrankten teilweise sehr schwer kranke und behinderte Menschen, manchmal konnte man nur noch die Folgen konstatieren.
Robert Clauß und Simon Blum stellten die neuen Kochplätze für die Personalwohnungen fertig mit Abwasserleitungen zur Sickergrube, Installation der Wasseranschlüsse und Montage der Spülbecken.
Zahlreiche Reparaturarbeiten in den Personalwohnungen, den Gästezimmern, der Schulküche und der Bibliothek mussten vorgenommen werden. Die Moschee bekam eine eigene Toilettenanlage und einen Waschraum für die Verstorbenen. Auch die Nähwerkstatt bekam einen neuen kleinen Toilettenraum.
Wir wurden von der Frauengruppe besucht und beschenkt. Von ihnen ließen wir uns die Schwierigkeiten bei der Instandhaltung des Zaunes schildern. Die Lehrer kamen ebenfalls vorbei. Wir waren sehr beeindruckt von der ruhigen und zufriedenen Atmosphäre im Kollegium. Am letzten Abend kamen die Ältesten des Dorfes und brachten uns zwei Ziegen. Wir wurden mit guten Worten und einem Gebet auf die Heimreise geschickt.
Das Gesundheitszentrum erfreut sich zunehmender Akzeptanz. Teilweise werden bis zu 800 Patienten/Monat versorgt. Das Team ist sehr gut zusammengewachsen und arbeitet hervorragend.
An unserem freien Nachmittag besuchten wir die Bibliothek, brachten weitere Bücher und Spielsachen mit und freuten uns über die schönen neuen Regale, die in der Berufsschule Kitzingen hergestellt wurden.
Am letzten Tag hatten wir Besuch vom Gouverneur aus Mamou, einem inzwischen langjährigen freundschaftlichen Wegbegleiter unseres Projektes. Es war der Anlass für ein kleines Fest, bei dem getrommelt und getanzt wurde. Die Schüler führten ein Singspiel auf. Es war ein ausgelassener letzter Abend.
Die Rückfahrt - in 4 Autos - verlief ohne Pannen und Probleme.
Der Gouverneur von Mamou bezeichnete unser Gesundheitszentrum als das beste Krankenhaus Guineas.
Beim Besuch eines der größten Krankenhäuser der Hauptstadt Conakry bestätigte sich dies für uns auf ganz bedrückende Weise. Voller Eindrücke und erschöpft machten wir uns am 25. Januar auf die Rückreise.
Allen hat es gut gefallen, alle wollen wieder mitkommen.
In Dow-Bodié wurde vor Kurzem mit dem Bau eines Kindergartens mit Vorschulgruppe begonnen. Der Bibliothekar steht als Pädagoge zur Verfügung. So wird das Projekt diesmal im Vorschulbereich erweitert werden. Dafür und für den Unterhalt der bestehenden Gebäude, für das Personal, für die Wartung der verschiedenen  Anlagen usw. benötigen wir auch weiter die Unterstützung unserer Spender.