Aktuelles

Wir berichten über unseren diesjährigen Arbeitseinsatz in Dow-Bodié im Januar 2020.
Am 4. Januar startete unsere Einsatzgruppe nach Guinea. Teammitglieder waren: Renate Ettrich (Lehrerin), Jürgen Schaaf (Installateur), Markus Schipprack (Elektrotechniker), Cornelia Kurz (Gynäkologin), Sebastian Lange (Chirurg u. Allgemeinarzt), Hans-Peter Geiselhart (Chirurg u. Orthopäde), Kai Kistner (Chirurg), Corinna Kistner (OP-Schwester), Sebastian Kernstock (Krankenpfleger), Stefan Leinen (Anästhesist), Mirja Teschner (Anästhesistin), Simone Greveldinger (Anästhesiepflegerin), Claudia Müller (Allgemeinärztin), Monika Böske (Kinderärztin).
Der Flug nach Conakry verlief ohne Hindernisse. Am nächsten Tag kamen wir nach einer 13-stündigen Reise in bequemen Autos, sehr umsichtigen Fahrern, aber auf sehr schlechten Straßen in Dow-Bodié an, wo wir lautstark und herzlich von Jung und Alt begrüßt wurden. Zusammen mit den Mitreisenden aus Guinea waren wir 19 Personen, eine logistische Herausforderung für unsere Gastgeberin Djiwo Diallo, die sie in gewohnt souveräner Weise meisterte.
Nach einem guten Essen und einem tiefen Schlaf machten wir am Folgetag einen Rundgang durch das Projekt.
Neu dazugekommen sind in Jahresfrist der Kindergarten mit Vorschulgruppe und eine neue Bäckerei, in der auch während unserer Abwesenheit Brot gebacken wird.
Anschließend wurde der Container-Inhalt verteilt und ausgepackt, das defekte Stromkabel in Augenschein genommen, eine von Termiten zerfressene Tür im Gesundheitszentrum von zwei unserer Chirurgen ersetzt. Nachmittags begann die Patientenrekrutierung für die Chirurgie, exzellent vorbereitet von unserem langjährigen Mitarbeiter Thierno Mamadou.
Renate Ettrich tauchte gleich ein in die Arbeit mit den Lehrern. Sowohl mit ihnen als auch mit den Schülern wurde vieles neu erarbeitet, Lieder eingeübt, Probleme besprochen, das Magazin mit dem Schulmaterial gesichtet, Rucksäcke gepackt und verteilt. Auch im Kindergarten/Vorschule war sie tätig. Dort gibt es eine neue Erzieherin, Mme. Sylla, die zusammen mit dem Bibliothekar M. Ly die Kinder dort betreut. Ihr Vater, M. Sylla, seit 2012 in unserem Projekt als überaus erfahrener Lehrer tätig, war leider so schwer erkrankt, dass er sich in Conakry im Krankenhaus befand. Anfang März ist er dann zu unserem großen Bedauern verstorben.
Markus Schipprack, der das erste Mal mit nach Guinea gereist war, hatte alle Hände voll zu tun mit der Photovoltaikanlage, den Batterien und dem defekten Erdkabel, das ausgegraben und erneuert werden musste. Einige noch zu klärende Fragen hat er im Gepäck mit nach Hause genommen.
Jürgen Schaaf hatte viele Reparaturen am Wassertank, in den Schultoiletten und der Schulküche, in den Personalwohnungen und im Gesundheitszentrum zu erledigen. Außerdem bekam die neue Bäckerei eine Wasserversorgung und eine Abwasserentsorgung. Die entsprechenden Rohre waren neu zu verlegen unter der Straße zum Gesundheitszentrum. Er kümmerte sich um die rückstandslose Müllverbrennung, leitete den Hausmeister bezüglich der Mülltrennung an und führte Vorplanungen für eine künftige Kläranlage durch.
Im Gesundheitszentrum, das wir in sehr sauberem und geordnetem Zustand vorfanden, drängten sich, wie jedes Jahr, zahlreiche Patienten. In der Chirurgie konnten 38 Patienten erfolgreich operiert werden: Strumen, Hernien, diverse Tumore. Diesmal konnten auch einige Patienten in Lokalanästhesie an einem 2. OP-Platz operiert werden.
Aus Mamou war ein Chirurg zur Hospitation gekommen, der sehr interessiert mitarbeitete. Eine Krankenschwester aus dem Gesundheitszentrum arbeitete sich sehr engagiert in die Instrumentenwartung ein. Das Anästhesisten-Team hatte alle Hände voll zu tun mit den vielen Narkosen, half bei der Betreuung von Schwerstkranken mit. Wie immer in zeit- und kräfteraubendem Einsatz war unser Krankenpfleger Basti Kernstock, dem die Aufgabe der Nachbetreuung der Operierten und die Mitversorgung sehr schwer erkrankter Patienten aus der Allgemeinmedizin und Kinderheilkunde oblag. Unterstützt wurde er von einem guineischen Medizinstudenten, der schon mehrfach dabei war und vor allem in den Nächten bei den Patienten die Nachtwache übernahm.
In der Allgemeinmedizin gab es wie immer viele chronisch Kranke mit Bluthochdruck, Diabetes, Parkinson, Herzinsuffizienz, Parasiten und vielem mehr. Mit manchen war es ein jährliches Wiedersehen. Hier arbeiteten auch eine Allgemeinärztin aus Conakry und der oben erwähnte angehende Mediziner engagiert mit.
In der Kinderheilkunde gab es neben den akuten Erkrankungen diesmal einen schwerkranken Säugling, um dessen Leben wir gemeinsam und zum Glück erfolgreich gekämpft haben. Immer wieder werden auch schwer behinderte Kinder vorgestellt, bei denen eine grundsätzliche Hilfe nicht mehr möglich ist. Es können aber Hinweise auf unterstützende Maßnahmen gegeben werden. Manchmal hilft ein Rollstuhl.
Ein sexuell missbrauchtes Kind und eine schwer misshandelte Frau stellten das gesamte Team vor besondere Herausforderungen und bedurften der einfühlsamen Übersetzung von Djiwo Diallo.
Conny Kurz hatte in der Gynäkologie alle Hände voll zu tun. Die Frauen vertrauen ihr und kommen mit den unterschiedlichsten Beschwerden wie Kinderwunsch, Tumore der Brust, Entbindungen etc. zu ihr. Ihre Zusammenarbeit mit der Hebamme des Zentrums ist von langjähriger vertrauensvoller Kooperation geprägt.
Die Allgemeinärztin aus Conakry zeigte ein gutes Wissen und eine sehr einfühlsame Art des Umgangs mit den Patientinnen.
Die Aufnahme der Patienten, eine anstrengende und nervenaufreibende Aufgabe, bewältigte wieder Djiwo Diallo mit der Hilfe von Mariama Bah, einer Freundin und Krankenschwester.
Unterstützung erfuhren wir auch von einer Gruppe junger Erwachsener aus Dow-Bodié, die bei der Versorgung und Registrierung der Patienten half. Bei einem späteren Besuch erklärten sie uns, dass sie sich zukünftig um den Zaun, die Wasserversorgung und ein Unterrichtsangebot für die Schulkinder in den Ferien zu Themen aus ihrer eigenen Berufsausbildung kümmern wollen. Einige von ihnen waren bereits Schüler unserer Schule.
Neben der Arbeit mit den Patienten wurden diesmal zwei Fortbildungen gehalten, eine von Stefan Leinen über die Versorgung von Schlangenbissen und eine von Monika Böske über Meningokokkenerkrankungen. Es wurden wieder alle Mitarbeiter des Projektes geimpft, diesmal gegen Meningokokken.
Der diesjährige Einsatz in Dow-Bodié war geprägt von der 20-Jahr-Feier unseres Projekts.
Djiwo Diallo hatte sehr viel Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt, von den Einladungskarten über das Festprogramm bis zu Geburtstagskuchen und Fußballspiel. Wir haben uns sehr gefreut, dass auch der neue deutsche Botschafter Ulrich Meier-Tesch und seine Frau gekommen sind. Sie zeigten sich sehr beeindruckt vom Umfang des Projektes und der langjährige Kontinuität unserer Arbeit. Bei dem Fest gab es zu unserer großen Überraschung neben der gewohnten Trommlergruppe eine Blaskapelle. Von Schülern wurde ein Theaterstück zu den Themen Bildung und arrangierte Frühverheiratung der Mädchen aufgeführt. Nach einem Festessen ging es zum Fußballspiel auf den Aloys-Böske-Platz. Ein Unentschieden dämpfte die Stimmung nicht wirklich. Abschließend wurde - wie jedes Jahr - zu Trommelrhythmen getanzt.
Der Ältestenrat besuchte uns insgesamt zwei Mal, auf seine Unterstützung können wir bauen.
In all den Tagen wurden wir ausgezeichnet bekocht. Es wurde niemand krank, ein Hinweis auf die gute Hygiene bei der Essenszubereitung.
Am 16.1.2020 traten wir die Rückreise an. Wegen Demonstrationen und Streiks war die Reise nicht ungefährlich, es kamen bereits seit Oktober 2019 über 30 Menschen ums Leben. Dennoch verlief unsere Reise ohne Probleme - außer zwei Reifenpannen -, die Straßen der Hauptstadt waren jedoch völlig verstopft.
Im Hotel konnten wir uns dann kurz erholen. Am nächsten Tag war die Abreise überstürzt, da es wieder zu Demonstrationen im Rahmen der Beerdigung zweier Opfer kam und die Straßen fast unpassierbar waren. Die Unruhen dauern bis heute an, weil der Präsident eine dritte Amtszeit anstrebt, die ihm aber nach der Verfassung nicht zusteht. Dies stößt auf erbitterten Widerstand in der Bevölkerung.
Seit unserer Abreise funktioniert die Photovoltaikanlage meistens problemlos. Momentan wird eine kleine Wohneinheit für die neue Erzieherin und eine Krankenschwester gebaut.
Vieles ist erreicht, das es zu erhalten gilt, Löhne müssen gezahlt werden, manches muss neu überdacht werden, wie z.B. der Umgang mit Müll und Abwasser, immer wieder gibt es Reparaturarbeiten. Hierzu benötigen wir weiterhin finanzielle Unterstützung.
Dr. Yango Keita, den wir alle immer noch schmerzlich vermissen, wäre sicher zufrieden und stolz auf den Zustand der Projektarbeit.

Wir wünschen Ihnen trotz Corona-Krise ein frohes Osterfest!

Bleiben Sie gesund!!